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BIM: Was ist über die Berufshaftpflicht versichert?

BIM: Was ist über die Berufshaftpflicht versichert?

Für Architekten und Ingenieure gehört die digitale Planungsmethode BIM (Building Information Modeling) längst zum Arbeitsalltag. Viele Nutzer sind jedoch unsicher, ob Ihre Tätigkeiten über die Berufshaftpflichtversicherung abgesichert sind. Um Unsicherheiten zu vermeiden, haben wir unsere Versicherungsbedingungen aktualisiert.

Was ist BIM?

BIM bezeichnet eine Planungsmethode der Bauwirtschaft, in der mit HIlfe von Bauwerksdaten detaillierte Pläne modelliert und zusammengeführt werden können. Es entsteht ein virtuelles geometrisches Modell. Anders als bei Handzeichnungen können Änderungen so zum Beispiel einfacher miteinander in Einklang gebracht werden. Das Modell verspricht daher eine hohe Planungssicherheit und einen geringeren Koordinierungsaufwand für alle Parteien.

Ist die BIM-Planung über die Berufshaftpflicht versichert?

Diese Frage stellen sich viele Nutzer. Denn: Die Architekten- und Planungsbüros arbeiten mit einer großen Menge an Daten  – Datenaustausch- und Kommunikationsserver müssen bereitgestellt werden.

Um unseren Kunden die rechtliche Sicherheit für den Umgang mit der BIM-Methode und hinsichtlich der oft im Raum stehenden Aufgabe des Betreibens eines notwendigen Datenservers für BIM zu geben, werden wir (rückwirkend) ab dem 1. Januar 2018 für alle Verträge, denen die Bedingungen ARCHIPROTECT® 2016 oder ARCHIPROTECT® 2012 zugrunde liegen, eine entsprechende Deckungserweiterung kostenneutral zur Verfügung stellen.

Was umfasst die Deckungserweiterung?

Grundsätzlich gilt: Die Berufshaftpflichtversicherung für Architekten und Ingenieure ist methodenneutral. Es ist also egal, auf welche Art und Weise die übertragene Aufgabe erledigt wird. Insofern ergeben sich deckungsrechtlich für einen Versicherungsnehmer, der mit BIM arbeitet, keine Besonderheiten. Diese Selbstverständlichkeit explizit zu benennen, ist daher nicht nötig – der Klarheit halber haben wir sie jedoch deklaratorisch in unseren Bedingungen festgehalten.

Neu ist die Erweiterung des Versicherungsumfangs um die Haftpflicht für das Betreiben eines BIM-Servers. Dasselbe gilt auch für sonstige Datenaustausch- oder Kommunikationsserver sowie die Zugänge hierzu, die für ein bestimmtes Bauvorhaben eingerichtet werden. Ausgeschlossen sind dauerhaft für alle offene EDV-Plattformen.

Die neuen Regelungen im Detail:

Der Deckungsschutz der Versicherungsbedingungen für die Berufs-Haftpflichtversicherung von Architekten, Bauingenieuren und Beratenden Ingenieuren (ARCHIPRPOTECT®) 2016 wird um die nachfolgende Regelung erweitert:

Building Information Modeling (BIM) / Projektkommunikation

1.   Umgang mit BIM-fähiger Software

1.1. Der Deckungsschutz nach A1-6.36 ARCHIPROTECT® 2016 bezieht sich ausdrücklich auch auf die internetbasierte Kommunikation innerhalb eines BIM-Projektes.

1.2. Der Versicherungsschutz für die Verwendung von Bausoftware im Sinne von A1-6.37 ARCHIPROTECT® 2016 umfasst ausdrücklich auch alle Programme, die für die planerischen Elemente eines Bauvorhabens mit der BIM-Methode notwendig sind, insbesondere auch Programme der Visualisierung und der internetbasierten Kommunikation.

1.3. Mitversichert sind auch beratende Tätigkeiten des Versicherungsnehmers hinsichtlich der Auswahl oder des Kaufes der BIM-fähigen Software.

2. Betrieb eines Daten- oder Kommunikationsservers

2.1. Versichert ist – in Ergänzung zu A1-6.36 ARCHIPROTECT® 2016 – die gesetzliche Haftpflicht des Versicherungsnehmers wegen Schäden, die Dritten durch das Betreiben eines BIM-, sonstigen Datenaustausch- oder Kommunikationsservers sowie die Bereitstellung einer hierauf bestehenden Datenaustauschplattform entstehen.
Versicherungsschutz besteht nur insoweit die Datenaustauschplattform auf dem Server zum Zwecke der Durchführung eines abgrenz- und bestimmbaren Bauvorhabens eingerichtet wird.

2.2. Die Ausschlüsse in A1-6.36.7 Spiegelstriche 2, 3, 4 und 5 ARCHIPROTECT® 2016 finden insoweit keine Anwendung. Die weiteren Regelungen des A1-6.36 ARCHIPROTECT® 2016 geltend entsprechend.

2.3. Der Versicherungsnehmer ist verpflichtet, den Daten- oder Kommunikationsserver und die darauf eingerichtete entsprechende Plattform auf den jeweils aktuellen Stand der Internet- und Sicherheitstechnik zu betreiben und diesen Standard während der Bereitstellung jederzeit aufrecht zu erhalten.
Verletzt der Versicherungsnehmer diese Obliegenheiten wird auf die Regelungen unter D3-2 ARCHIPROTECT® 2016 verwiesen.

2.4. Kein Versicherungsschutz besteht für den Verlust, die Beschädigung oder das Abhandenkommen von Daten auf den betriebenen Servern, unabhängig davon, ob diese dem Versicherungsnehmer oder einem Dritten zuzuordnen sind.
Dies gilt nicht, sofern der Versicherungsnehmer nachweist, dass die Ursache des Verlusts, der Beschädigung oder des Abhandenkommens im technischen Betreiben des Servers im Sinne von Ziffer 2.1 oder der damit verbundenen Bedienung durch den Versicherungsnehmer oder von ihm Beauftragten Dritten ist.

 

Bitte beachten:
Der zusätzliche Versicherungsschutz besteht innerhalb der Grenzen der A1-6.36  bzw. A1-6.37 ARCHIPROTECT® 2016, also insbesondere innerhalb des für A1-6.36.3 geregelten (einfach maximierten) Sublimits von 1.000.000 EUR. Ein Selbstbehalt fällt beim Versicherungsschutz nach A1-6.36 nicht an (siehe A1-3.2 ARCHIPROTECT® 2016).

Für die Klarstellung in Ziffer 1.2 der vorgenannten Erweiterung bezogen auf A1-6.37 ARCHIPROTECT® 2016 verbleibt es ebenfalls bei den hierfür einschlägigen sonstigen Regelungen.

Die Regelungen gelten automatisch rückwirkend ab dem 1. Januar 2018 für alle Verträge, denen bereits die Bedingungen ARCHIPROTECT® 2016 oder ARCHIPROTECT® 2012 zugrunde liegen.
Eine Dokumentation dieser Zusatzdeckung erfolgt vorerst nicht, diese Mitteilung gilt insoweit als Ergänzung zum Versicherungsschein.

In unserer Fachinformation erläutern wir das Thema mit all seinen Hintergründen noch einmal ganz detailliert. 

Aber Achtung: Hier besteht ein Risiko

Ihren Kunden sollten Sie eines jedoch bewusst machen: Wenn sie BIM nutzen, arbeiten sie mit einer riesigen Menge an geordneten Daten. Und diese sollten zusätzlich geschützt werden!

Denn: Vom umfassenden Haftpflicht-Deckungsschutz ausgeschlossen sind der Verlust, die Beschädigung oder das Abhandenkommen von Daten auf den betriebenen Servern sofern diese nicht auf der (reinen) technischen Bereitstellung beruhen – und zwar unabhängig davon, ob die Daten dem Versicherungsnehmer oder einem Dritten zuzuordnen sind.

Eine Absicherung dieses Risikos ist ebenfalls bei der VHV möglich. Sprechen Sie uns einfach auf ein individuelles auf Ihre Kunden zugeschnittenes Angebot an.